Zwei Jahrestage standen für diese Woche thematisch zur Auswahl und auf einen dieser Jahrestage wird auch musikalisch eingegangen. Der Schwerpunkt dieser Old New Songs Ausgabe liegt allerdings auf den 1960er Jahren, mit vielen bekannten und einigen eher unbekannterren Titeln.
Der Pianist Martial kam 1927 in Alger zur Welt. Früh lernt er, Klavier zu spielen und geht 1950 nach seiner Zeit in der Armee nach Paris, wo er ab Mitte der Fünfzigerjahre zu den wichtigsten Jazzmusikern des Landes zählt, bald mit US-Musikern wie Kenny Clarke, Lucky Thompson, Sidney Bechet und vielen anderen spielt. Er gründet sein Trio, nimmt aber auch als Solist, als Sideman und sogar als Leader seiner eigenen Big Band auf. In diesen frühen Jahren ist sein Stil schon ziemlich ausgeprägt. Bud Powell und Erroll Garner sind neben Art Tatum herauszuhören.
Solal misst der linken Hand grosse Bedeutung bei, verfügt über eine immense Technik, die ihm erlaubt, die Hände voneinander unabhängig zu nutzen, verschiedene Rhythmen übereinander zu legen. Er sucht harmonische Erweiterungen, geht nie den offensichtlichen Weg, und wird so zu einer einzigartigen Erscheinung nicht nur im europäischen Jazz. Schon in den Fünfzigern fängt Solal an, Filmmusik zu schreiben – sein Soundtrack zu "A bout de Souffle" ("Ausser Atem") sorgt dafür, dass er sich bald ein Haus in einem ruhigen Vorort von Paris leisten kann.
1963 geht Solal in die USA, aus zwei Wochen im Hickory House werden zehn, ein Auftritt beim Newport Jazz Festival ist so erfolgreich, dass sein Plattenlabel RCA nachträglich ein Studio-Album produziert und mit Applaus versieht. Solal geht auch in den Sechzigern und Siebzigern seinen Weg, leitet u.a. ein neues Trio mit zwei Kontrabässen, nimmt weitere Big Band-Alben auf, von denen eines ihn wieder mit dem alten Weggefährten André Hodeir zusammenbringt. Solal gibt im Januar 2019 in Paris sein letztes Konzert (es ist unter dem Titel "Coming Yesterday" erschienen), danach zieht der Perfektionist sich zurück. Zwischen 1953 und 2019 sind unzählige Aufnahmen entstanden: mit seinen Trios, solo, mit Kollegen wie Lee Konitz, Johnny Griffin, Stéphane Grappelli, Joachim Kühn, Michel Portal, Dave Liebman oder Toots Thielemans, Solal nimmt auch seine konzertante Musik mit Orchester auf, schreibt klassische Solo-Klavier-Stücke und über zwanzig Film-Soundtracks.
Am 12. Dezember starb Martial Solal im hohen Alter in Versailles.
Also freut euch auf eine weitere Sendung voll mit feinster Musik aus den unterschiedlichsten Genres und Gegenden ... hope you tune in.
Die 60er Jahre gehen bei mir eigentlich immer. Zeit also für eine Stunde Musik aus diesem Jahrzehnt. Dabei gibt es eine ganze Reihe an Klassikern sowie Acts aus Rock, Pop, Folk, Country und Rock'n'Roll zu hören, die in aller Munde sind. Der King trifft auf die Fab Four, die Byrds auf Fairport Convention und und und... Seid ihr dabei?
Die Playlisten der vergangenen Sendungen: Was lief? Wer spielte wann was? Zum Nachlesen, oder auch nur, um sich einen speziellen DJ mal vorzunehmen.
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