
Creed Taylor (1929–2020) gehört zu den wichtigen Strippenziehern im Jazz. Er fing Mitte der Fünfzigerjahre als A&R-Mann bei Bethlehem Records an. Es folgten Stationen bei ABC-Paramount, wo er als Sublabel das legendäre Label Impulse! Records aus der Taufe hob und John Coltrane unter Vertrag nahm, aber nach nur wenigen Produktionen zu Verve weiterzog, dessen Gründer Norman Granz sich nach fast zwanzig Jahren im Geschäft zurückgezogen hatte (auch er eine interessante Figur: Verve war aus seinen frühen Labeln NorGran und Clef Records hervorgegangen, er managte Ella Fitzgerald und Count Basie, gründete später das Label Pablo Records und war nicht zuletzt ein Verfechter der Bürgerrechtsbewegung). Bei Verve konnte Taylor über Jahre an seiner eigenen Vision arbeiten, die er dann bei A&M weiterentwickelte, wo er schliesslich ein weiteres Sublabel gründete: CTI Records. Nach wenigen Jahren wurde das Label unabhängig, sein Vertrieb lief über Motown. Gemeinsam mit dem Sound-Ingenieur Rudy Van Gelder entwickelte Taylor einen warmen Hochglanz-Sound, zu dem passende laminierte Gatefold-Plattenhüllen kamen, oft mit Fotografien von Pete Turner versehen, auf Texte fast völlig verzichtend. Bei CTI fanden Einflüsse aus Funk und Soul aber auch aus Brasilien in den Mix. Mit zunehmendem Erfolg wurden die Budgets für die Produktionen grösser, oft kamen Streicher dazu, es wurde mit Overdubs gearbeitet. Unter Jazzpuristen ist manches davon eher verschrien, doch der Katalog bietet viele Entdeckungen. Ein paar Alben, die ich bisher nicht kannte, habe ich aus Anlass einer neuen CD-Reihe aus Japan neu kennengelernt und stelle sie in der heutigen Sendung vor.