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gypsy goes jazz #43 – Thelonious the Onliest: Der Pianist, Komponist und Bandleader Thelonious Monk im Portrait (21.01.2017, 20:30)

...Hohepriester des Bebop wurde er genannt, seine Platten bekamen Titel wie "The Prophet" und "Genius of Modern Music". Dabei war Thelonious Monk (1919–1982) so modern wie er in der Tradition verwurzelt war. Der Komponist Monk schrieb kantige Themen, die sich aber sofort in den Hörgängen einnisten, Stücke, die wie von selbst swingen. Der Pianist Monk spielte sperrige Ganztonlinien, dissonante, of zu Clustern verdichtete Akkorde, pflegte ein ruppiges, völlig unkonventionelles Klavierspiel. Die Kritiker hielten ihn lange für eine Witzfigur, einen Dilettanten, der gar nicht Klavier spielen könne. Viele Musiker wussten es allerdings besser.

Im Spiel von Monk hört man aber stets seine Verwurzelung im Stride Piano (er bewunderte James P. Johnson sehr), man mag in Duke Ellington einen Vorfahren sehen, in Count Basie ein Exempel für die absolute musikalische Ökonomie, die auch Monk verfolgte. Auf die Spitze trieb er das als Komponist etwa in seinem "Morse"-Thema "Thelonious". Monk war "definitely 'his own man'", wie der Trompeter, Arrangeur, Produzent und Publizist Don Sickler sagt, der sich ausführlich mit Monks Musik befasst hat. Diese ist manchmal sehr komplex, aber wie Sickler schreibt: "Monk is very direct, and everything he plays means something. There are no wasted notes in Monk."

Das zweistündige Portrait auf Radio StoneFM stellt Monk in allen seinen Facetten vor, von den Anfängen bis zur Zeit seines grössten Erfolges, als er in den Sechzigerjahren endlich auf grössere Akzeptanz stiess und es bis auf das Cover von Time Magazine schaffte.

Monk gehörte zur Hausband im legendären After Hours-Lokal Minton's in New York, wo die Musiker nach getaner Arbeit in den Nachtclubs ab 4 Uhr morgens weiterspielten, bis es Zeit fürs Frühstück war. Mit Charlie Christian, Don Byas, Hot Lips Page und anderen Swingmusikern schuf er den Boden für eine revolutionäre Neuerung im Jazz, mit dem Drummer Kenny Clarke legte der den Grundstein für eine neue Rhythmik: der Bebop war geboren, mit ihm das, was wir heute Modern Jazz nennen. Aus der Tanz- wurde - vornehmlich - eine Hörmusik, Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Monks Kollege Bud Powell, Kenny Clarke, Max Roach und ein paar andere führten die neue Musik ab 1945 zu ihren Höhepunkten.

1944 spielte er in der Gruppe des Veteranen Coleman Hawkins, der stets offene Ohren für neue musikalische Entwicklungen hatte. 1947 entstanden erste Aufnahmen für das kleine Label Blue Note. Innert einiger Monaten ging Monk viermal ins Studio und die Resultate verblüffen noch immer. Monks Musik war zu diesem Zeitpunkt bereits fertig ausgereift, seine Stücke und sein Klavierspiel in sich völlig stimmig, seine Klangwelt einzigartig. In Art Blakey fand er einen kongenialen Partner am Schlagzeug und Milt Jacksons elegantes bluesiges Spiel am Vibraphon wurde zu einem perfekten Gegenpol zu Monks sperrigem und spröden Piano. Mit Jackson entstanden in den frühen Fünfzigern weitere Aufnahmen für Blue Note und die folgende Zeit bei Prestige (1952-54) endete an Heiligabend 1954 mit einer All-Star-Session, bei der Monk und Jackson mit Miles Davis ins Studio gingen.

Die Prestige-Jahre endeten eher unrühmlich, man wusste nicht, was man mit dem kauzigen Pianisten anfangen sollte und war bereit, ihn gegen Begleichung seiner Schulden von etwas über 100 Dollar ziehen zu lassen. Sein neues Label Riverside baute Monk von 1955 bis zum Ende der Dekade kontinuierlich auf, präsentierte seine Musik in unterschiedlichem Rahmen von Solo über Trio- und Quartett-Formationen, Alben mit Gästen wie Gerry Mulligan, einen Sideman-Auftritt bei Clark Terry, Quintette mit Musikern wie Sonny Rollins oder Thad Jones, ein Septett, dem gleich Coleman Hawkins und John Coltrane angehörten, bis hin zu einem Tentett, das wie andere Alben live aufgenommen wurde. Bei Riverside umgab man Monk mit kongenialen Musikern wie Kenny Clarke, Max Roach, Johnny Griffin oder Roy Haynes. Ende der Fünfzigerjahre formierte sich auch das langjährige Quartett mit Charlie Rouse, der als Nachfolger von John Coltrane und Johnny Griffin keinen leichten Part hatte, aber nichtsdestotrotz während elf Jahren zu einem kongenialen Partner von Monk würde.

Allmählich wuchs die Akzeptanz des Musikers, Monk erhielt in den späten Fünfzigern wieder eine Cabaret Card, was ihm regelmässige Auftritte in Lokalen mit Alkoholausschank ermöglichte. Das Five Spot in der Bowery wurde über längere Zeit zu seinem zweiten Zuhause. Monk wurde immer populärer und Anfang der Sechzigerjahre wurde schliesslich Columbia Records auf ihn aufmerksam. 1961 ging das inzwischen etablierte Monk-Quartett erstmals auf Europa-Tournee, ab dem Folgejahr erschienen seine Alben auf dem Label, das auch Miles Davis und Dave Brubeck unter Vertrag hatte. Bis in die späten Sechzigern dauerte diese Phase, danach wird es allmählich stiller um Monk, der wie andere Jazzmusiker unter dem Wandel des Umfelds zu leiden hatte. Er trat zwar noch hie und da auf, ging mit den Giants of Jazz auf Tour, einer Bebop-Nostalgie-Truppe mit Blakey und anderen alten Kollegen, nahm Anfang der Siebziger in London ein letztes Mal ausführlich auf. Mitte der Siebziger gab Monk sein letztes Konzert, danach zieht er sich zurück. 1982 starb er an den Folgen einer Hirnblutung.

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