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gypsy goes jazz #31 (31.03.2016, 22:00) - Horace Tapscott & Sonny Criss (California Avantgarde I)

Nach diversen dem West Coast Jazz gewidmeten Sendungen im letzten Jahr gibt es in den kommenden Monaten eine Fortsetzung. Vier Teile sind geplant, die sich dem marginalisierten kalifornischen Jazz der Sechzigerjahre widmen werden. Da gibt es vor allem einen bekannten Namen: Ornette Coleman. Er wurde insofern marginalisiert, als er nach New York gehen musste, um diese Bekanntheit überhaupt erst zu erlangen - ein Schlicksal, das er wiederum mit seinen afro-amerikanischen Kollegen teilte, die sich nach dem Niedergang der Szene um die Central Avenue ebenfalls vergeblich um Erfolg (und sei es nur in Form regelmässiger Auftrittsmöglichkeiten) bemühten und gen Osten ziehen mussten, wenn sie ihre Chancen verbessern wollten.

Neben Coleman werden in den Sendungen weniger bekannte Musiker zu hören sein: Sonny Simmons oder Prince Lasha (Simmons stammt aus Louisiana, Lasha wie Ornette aus Fort Worth, Texas), Bobby Bradford und John Carter (Bradford stammt aus Mississippi, Carter ebenfalls aus Fort Worth), aber auch Warne Marsh, der musikalisch im Gravitationsfeld Lennie Tristanos gross wurde, oder Anthony Ortega (ein Angeleno, für den es nicht einmal eine englische Wikipedia-Seite gibt). In dieser ersten Folge steht ein Mann im Mittelpunkt, der so stark in Los Angeles verwurzelt war, dass es nicht in Frage gekommen wäre, die Stadt zu verlassen. An kommerziellem Erfolg lag ihm wenig, wichtiger war ihm die (musikalische) Arbeit in der Community in Watts und South Central LA: Horace Tapscott.

 

Er begann als Posaunist, tourte 1961/62 mit der Band von Lionel Hampton, gründete dann in LA sein Pan African Peoples Arkestra und die Underground Musicians Association. Eine Krankheit zwang ihn zum Wechsel des Instrumentes. Mit Lou Blackburn und Freddie Hill (die beide auch in die LA Hard Bop-Sendungen gepasst hätten) nahm er Anfang der Sechziger ein erstes Mal als Pianist auf, danach betätigte er sich in erster Line als Komponist und Arrangeur. In dieser Funktion entstand 1968 ein Album mit Sonny Criss, "Sonny's Dream (Birth of the New Cool)" (Prestige). Tapscott leitete die zehnköpfige Band, die seine Arrangements spielte. Der erhoffte Durchbruch fand zwar nicht statt, aber im Jahr darauf konnte Tapscott für Bob Thieles neues Label Flying Dutchman sein Debut einspielen, "The Giant Is Awakened". Diese beiden Alben stehen im Mittelpunkt der Sendung, sie bilden gewissermassen zwei Pole, zwischen denen Tapscotts Schaffen sich damals bewegte: dort die raffinierten Arrangements für den geschmeidigen Saxophonisten Sonny Criss, hier kraftvolle, schnörkellose und direkte Musik im Quintett, die frei ist und doch mächtig groovt.

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