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gypsy goes jazz #22 (29.10.2015, 20:00) - Goin' West: Black California (1/2)

Die Folgen 22 und 23 meiner Sendung sind erneut dem kalifornischen Jazz gewidmet, den wir von den Anfängen rund um die Central Avenue mit Swing Big Bands und ersten Bebop-Aufnahmen über kühlere Experimente mit Stan Kenton, Shorty Rogers und anderen bis in die Mitte der Fünfziger verfolgt haben, als sich bei manchen Musikern bereits eine Veränderung bemerkbar machte, eine Tendenz weg vom leichtgewichtigen Swing, weg vom Experiment hin zu einer grösseren Unmittelbarkeit, wie sie an der Ostküste der neue Stil, den man bald Hard Bop nennen sollte, pflegte (diesem waren ja die letzten beiden Folgen der Sendung gewidmet). Nach einem ebenfalls zwei Folgen dauernden Abstecher in den Norden Kaliforniens - Dave Brubeck und ein paar andere machten dort tolle Musik - sind wir jetzt wieder zurück in Los Angeles, dem bedeutendsten Zentrum des Jazz an der Westküste.

v.l.n.r: Curtis Counce (b), Carl Perkins (p), Harold Land (ts), Frank Butler (d), Jack Sheldon (t) - The Haig, Los Angeles, 1957

Die Tendenz zum "heisseren" Jazz ermöglichte es allmählich auch afro-amerikanischen Musikern, die mit Ausnahmen (Chico Hamilton, Buddy Collette) dem kühleren Jazz der frühen Fünfziger kritisch gegenüberstanden, vermehrt zum Zuge zu kommen. Die beiden wichtigsten Plattenlabel des modernen kalifornischen Jazz, Pacific Jazz und Contemporary, nahmen zwar weiterhin mehrheitlich weisse Musiker auf, aber für Curtis Counce, Harold Land, Teddy Edwards und ein paar andere gab es hie und da Möglichkeiten, eine Platte einzuspielen.

Diese erste Sendung dokumentiert Aufnahmen von Max Roach und Clifford Brown (ihre gemeinsame Combo entstand in Kalifornien), von Veteranen aus Central Avenue-Tagen wie Dexter Gordon (für den die Fünziger ein fast ganz verlorenes Jahrzehnt waren, ähnlich wie auch für Edwards, den wir mit Roach/Brown zu hören kriegen) und Hampton Hawes, vom jungen texanischen Tenorsaxophonisten James Clay und vom älteren Texaner Kenny Dorham, der auf einem Album von Herb Geller mitwirkte, der ja später in Hamburg bekannter gewesen sein dürfte, als er es in den USA jemals war ... diese geographischen Vermischungen gehören zum schwarzen kalifornischen Jazz fast noch mehr, als sie zum weissen gehören. Musiker aus Texas suchten ebenso wie welche aus New York ihr Glück im angenehmren pazifischen Klima. Nicht nur Max Roach stiess zu den Lighthouse All Stars von Howard Rumsey, auch Sonny Clark spielte mit der Gruppe, Kenny Drew weilte ebenfalls für einige Zeit in Kalifornien, während Lou Levy aus Chicago sich gleich dort niederliess und zum festen Bestandteil der Szene wurde.

Aber auch lokale Musiker wie Richie Kamuca, Art Pepper, Carl Perkins, Curtis Counce oder Shelly Manne wandten sich der heisseren Musik zu - mit beachtlichen Resultaten, notabene. Heute und in der kommenden Folge (die in die frühen Sechziger blickt und bis an den Rand der eigenwilligen kalifornischen Avantgarde blickt, die später auch noch Thema sein wird) hören wir Kostproben aus solchen Aufnahmen. Neben den bereits genannten Musikern sind u.a. auch Dupree Bolton, Jack Sheldon, Joe Gordon, Elmo Hope oder Victor Feldman zu hören, und zwei weitere hervorragende Schlagzeuger, die viel zu wenig Bekanntheit erlangten: Larance Marable und Frank Butler.

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